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Wie entsteht Gesundheit?
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Erkranken bei einer Grippeepidemie knapp 30 % der Bevölkerung, so finden wir verschiedene Aussagen. Viele sprechen davon, dass sie sich angesteckt haben. Ein anderer Teil der Erkrankten überlegt sich, wieso er sich hat anstecken lassen. Diese Menschen fragen damit auch, warum 70 % der Bevölkerung in ihrem Umkreis gesund geblieben sind, obwohl sie derselben Ansteckungsgefahr ausgesetzt waren wie die Erkrankten.

Erst wenn ernsthaft gefragt wird, wie Gesundheit eigentlich entsteht und trotz Belastungen aufrecht erhalten werden kann, muss sich der Blick von vornherein auf den Menschen als Ganzheit richten – einschliesslich seines sozialen Umfeldes. Dann kann nicht mehr der Krankheitserreger in den Mittelpunkt gestellt werden, sondern die Frage, welche körperlichen, seelischen oder geistigen Faktoren letztlich für die immunologische Schwäche verantwortlich gemacht werden können, bzw. wieso eine Empfänglichkeit für den Erreger entstand. Zum Beispiel sind dies

· auf körperlicher Ebene Informationsvererbung (schulmedizinisch: genetische
  Ursachen), Fehl- oder Unterernährung sowie zu wenig Schlaf und/oder
  Bewegung, Unterkühlung und anderes

· auf seelischer Ebene Stress, Überforderung, Angst, Langeweile, Depression,
  Schockzustände, Unzufriedenheit, Beziehungsprobleme und anderes

· auf geistiger Ebene Mangel an Idealismus, Motivation, geistiger Nahrung und
  Anregung.

Der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky nennt drei Hauptursachen für das Entstehen und Aufrechterhalten von Gesundheit:

- Überwinden von Ungleichgewichten im Stoffwechsel, wie sie infolge von 
  Ernährung, Bewegung, Ruhe, Klimawechsel und anderen Einflüssen auftreten.
  Jeder Organismus, jedes Organ, jede einzelne Zelle befindet sich ständig in
  einem Gesunderhaltungstrieb durch Überwinden von Störfaktoren bzw.
  Krankheitstendenzen.

- Aufbau des so genannten Kohärenzgefühls im Laufe von Kindheit und Jugend.
  Damit ist das Erkennen der Möglichkeit gemeint, alles was einem begegnet,
  sinngebend zu verarbeiten und in das eigene Lebensgefühl und Umwelt-
  verständnis einzubinden. Es handelt sich dabei um eine verständliche und
  wandelbare „Weltanschauung“. Denn je sinnvoller sich die verschiedenen
  Erfahrungsebenen des menschlichen Lebens zu einem offenen und
  entwicklungsfähigen Gesamtbild ordnen lassen, um so gesünder ist der Mensch.

- Erfolgreiche Auseinandersetzung mit Stressoren und Widrigkeiten des Lebens
  aufgrund vorhandener so genannter Widerstandressourcen.
  Widerstandsressourcen stellen den Zusammenhang der Kompensations-
  möglichkeiten und Bewältigungs (Coping-) Strategien dar, die ein Mensch
  besitzt, um grössere und kleiner Probleme und Sorgen im Leben und in der
  Arbeit positiv zu bewältigen. Mit Hilfe solcher Verarbeitungsmöglichkeiten wird
  verhindert, dass ein Mensch unter Belastung, Angst, Stress, Verlust,
  Ausgrenzung bis hin zur Extremsituation wie Gefängnis und Folter völlig
  zusammenbricht. Im Rahmen der Heilpädagogik spricht man hier von Resilienz-
  forschung (von englisch: „resilient“: abprallend, elastisch), das heisst, man
  stellt die Frage, was Kinder widerstandfähig macht und sie gesund aufwachsen
  lässt, obwohl ihr häusliches Milieu von Chaos, Alkoholismus, Gewalt oder
  anderen Stressfaktoren geprägt ist. Als entscheidende Faktoren welche die
  Widerstandkraft erhalten und stützen können, werden angeführt

  · das Geliebtwerden durch einen Menschen
  · der Glaube an Gott
  · das Vertrauen in die Entwicklung, die Zukunft
  · dem eigenen Schicksal Sinn geben können, indem Probleme und Konflikte in
    das eigenen Leben integriert und verarbeitet werden können
  · äussere Sicherheit und hoher Lebensstandard
  · ein stabiles soziales Netz.

Diese drei salutogenetischen Hauptfaktoren haben die Fähigkeit gemeinsam, sich mit Widerständen erfolgreich auseinandersetzen zu können: körperlich, seelisch und geistig.

Gesundheit ist die Fähigkeit des Organismus, einseitige Belastungen ausgleichen und möglichen Krankheitstendenzen entgegenwirken zu können. Sie bedingt somit das geregelte Zusammenspiel körperlicher und seelisch-geistiger Funktionen und Tätigkeiten. Wie ist es möglich, dass gute Gedanken tatsächlich helfen, ja heilen können? Woher kommt es, dass friedliche Gefühle den Schlaf fördern und körperliche Schmerzen mildern können? Warum wirkt eine positive Lebenseinstellung erfrischend und appetitfördernd? Umfangreiche psychoneuroimmunologische Forschung haben all das belegt. So zeigt sich wie wichtig die Beachtung geistiger und seelischer Gesetzmässigkeiten und ihr konkreter Zusammenhang mit den körperlichen Funktionen ist.

Bereits Pfarrer Sebastian Kneipp hat diese Grundzüge erkannt und ein praktisches, anwendbares Konzept für die ganze Familie geschaffen. Es ist heute das umfassendste naturheilkundliche Konzept in der westlichen Welt. Mehr dazu siehe www.kneipp-beo.ch.

Inhalt gestützt auf die Publikation „Kindersprechstunde“ von Dr. med. Michaela Glöckner und Dr. med. Wolfgang Goebel, Urachhaus-Verlag.

 
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